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Vor der Gen-Z-Demonstration in Hamburg verbarrikadieren zahlreiche Geschäfte am Neuen Wall ihre Schaufenster. Die Polizei bereitet sich mit einem Großaufgebot auf mögliche Ausschreitungen vor.

Hamburger Innenstadt im Ausnahmezustand: Geschäfte verbarrikadieren sich vor Demonstration

Polizei im Großaufgebot vorort um Geschäfte zu schützen

Holzplatten vor Schaufenstern, erhöhte Sicherheitsvorkehrungen und ein Großaufgebot der Polizei: Vor einer angekündigten Demonstration gegen die Wehrpflicht bereitet sich die Hamburger Innenstadt auf einen möglicherweise angespannten Nachmittag vor. Besonders am Neuen Wall sind die Auswirkungen bereits deutlich sichtbar. Zahlreiche Geschäfte haben ihre Eingänge und Schaufenster mit massiven Holzplatten gesichert. Die Sorge vor möglichen Ausschreitungen ist offenbar groß.

Die Hamburger Innenstadt zeigt sich bereits vor Beginn einer angekündigten Demonstration gegen die Wehrpflicht von einer ungewöhnlichen Seite. Wo normalerweise Passanten durch die Einkaufsstraßen schlendern, Kunden in exklusiven Geschäften einkaufen und das geschäftige Treiben der Hansestadt den Alltag bestimmt, prägen nun teilweise verschlossene und mit Holzplatten gesicherte Ladenfronten das Straßenbild. Insbesondere entlang des Neuen Walls haben zahlreiche Geschäftsinhaber bereits am Vortag umfangreiche Schutzmaßnahmen getroffen. Schaufenster und Eingangsbereiche wurden mit Holzverschalungen versehen, um mögliche Schäden durch Steinwürfe, Sachbeschädigungen oder andere Ausschreitungen zu verhindern.

Hintergrund der Maßnahmen ist eine für den Nachmittag angekündigte Demonstration unter dem Motto „Gegen Wehrpflicht – Gen Z regelt“. Zu der Kundgebung wurde am Jungfernstieg aufgerufen. Die geplante Veranstaltung richtet sich gegen die Wehrpflicht und die politischen Überlegungen zur möglichen Wiedereinführung beziehungsweise Neugestaltung des Wehrdienstes. Gerade unter jungen Menschen sorgt die Debatte über eine mögliche Verpflichtung zum Militärdienst für Diskussionen. Viele sehen darin einen erheblichen Eingriff in ihre persönliche Lebensplanung und ihre Zukunftsperspektiven. Die Demonstration soll diesem Unmut öffentlich Ausdruck verleihen.

Doch während die Veranstalter und Teilnehmer ihren Protest auf die Straße tragen wollen, bereitet sich der Einzelhandel in der Innenstadt auf mögliche Folgen vor. Dass Geschäfte bereits Stunden vor einer Demonstration ihre Schaufenster verbarrikadieren, verdeutlicht die Anspannung, die im Vorfeld der Veranstaltung herrscht. Für die betroffenen Unternehmen geht es dabei nicht nur um beschädigte Glasscheiben oder zerstörte Eingangsbereiche. Auch mögliche Betriebsunterbrechungen, wirtschaftliche Verluste und die Sicherheit von Mitarbeitern und Kunden spielen eine Rolle. Die Entscheidung, die eigenen Geschäftsräume mit Holzplatten zu schützen, dürfte deshalb vor allem eine vorsorgliche Reaktion auf die Unsicherheit über den Verlauf der Demonstration sein.

Auch die Polizei bereitet sich auf einen größeren Einsatz vor. Nach bisherigen Angaben sollen mehrere Hundertschaften in der Innenstadt präsent sein. Zusätzlich ist der Einsatz von Drohnen vorgesehen. Die Sicherheitskräfte wollen damit einen Überblick über das Demonstrationsgeschehen behalten und bei möglichen Störungen schnell reagieren können. Nach Einschätzung der Polizei wird allerdings ein weitgehend friedlicher Verlauf erwartet. Gleichzeitig machten die Einsatzkräfte deutlich, dass bei Straftaten oder gewalttätigen Auseinandersetzungen konsequent eingeschritten werden soll.

Für die Demonstration werden nach Angaben der Polizei zwischen 1.000 und 2.000 Teilnehmer erwartet. Der Protest soll um 14 Uhr am Jungfernstieg beginnen und über die Mönckebergstraße bis zum Lohmühlenpark im Stadtteil St. Georg führen. Bundesweit hat die Initiative „Gen Z regelt“ zu Protestaktionen in zahlreichen Städten aufgerufen. Dabei geht es nicht ausschließlich um die Wehrpflicht. Die Bewegung fordert unter anderem höhere Investitionen in das Bildungssystem, konsequentere Maßnahmen gegen den Klimawandel sowie politische Antworten auf steigende Lebenshaltungskosten. Im Mittelpunkt steht die Forderung, dass junge Menschen stärker an politischen Entscheidungen beteiligt werden, die ihre Zukunft betreffen.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält die Veranstaltung durch Warnungen des Hamburger Verfassungsschutzes. Nach Einschätzung der Behörde mobilisieren auch linksextremistische Gruppierungen und extremistische Organisationen mit Auslandsbezug für die Demonstration. Darunter befinden sich unter anderem das Offene Antifaschistische Treffen Hamburg, der Rote Aufbau und die Interventionistische Linke. Die Sicherheitsbehörden sehen die Gefahr, dass extremistische Gruppen den gesellschaftlichen Protest für eigene politische Ziele nutzen und die Demonstration möglicherweise ideologisch beeinflussen könnten. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass die Veranstaltung selbst gewalttätig verlaufen wird. Auch die Initiative „Gen Z regelt“ hat sich ausdrücklich für einen friedlichen Protest ausgesprochen.

Die Sorgen der Hamburger Geschäftsleute stehen zudem im Zusammenhang mit den jüngsten Entwicklungen in anderen europäischen Ländern. Insbesondere die teilweise gewaltsamen Jugendproteste in Frankreich, bei denen es auch zu Plünderungen und Sachbeschädigungen gekommen war, haben den Einzelhandel offenbar alarmiert. Nach Angaben des Handelsverbands Nord beobachten zahlreiche Händler die Entwicklung mit Besorgnis. Die vorsorgliche Sicherung der Ladenfronten ist deshalb auch als Reaktion auf die Bilder und Erfahrungen aus dem europäischen Ausland zu verstehen. Einige Unternehmen haben darüber hinaus entschieden, ihre Mitarbeiter und Geschäftsräume durch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zu schützen. Der Hamburger Juwelier Wempe kündigte sogar die vorübergehende Schließung seiner Niederlassungen an. Auch die Parfümeriekette Douglas bestätigte zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen an betroffenen Standorten.

Eine besondere Rolle spielt dabei auch der Reformationstag. Da dieser am Samstag in Hamburg ein gesetzlicher Feiertag ist, bleiben die Geschäfte ohnehin geschlossen. Dennoch haben zahlreiche Händler bereits am Freitag mit der Sicherung ihrer Schaufenster begonnen. Die Maßnahmen zeigen, wie ernst die mögliche Gefährdung der Geschäftsräume eingeschätzt wird. Gerade am Neuen Wall, einer der bekanntesten und exklusivsten Einkaufsstraßen Hamburgs, fallen die verbarrikadierten Fassaden besonders ins Auge. Statt aufwendig gestalteter Schaufensterauslagen prägen massive Holzplatten das Erscheinungsbild einzelner Ladenfronten.

Die Erinnerungen an den G20-Gipfel im Juli 2017 dürften bei vielen Hamburgern zusätzlich präsent sein. Damals war die Hansestadt Schauplatz schwerer Ausschreitungen, Plünderungen und erheblicher Zerstörungen, insbesondere im Bereich des Schanzenviertels und rund um die Reeperbahn. Die Ereignisse haben sich tief in das Sicherheitsbewusstsein der Stadt eingeprägt. Auch wenn die aktuelle Demonstration nicht mit den damaligen Protesten gleichgesetzt werden kann, verdeutlichen die vorsorglichen Maßnahmen der Geschäftsleute, wie groß die Angst vor einer möglichen Eskalation bei größeren politischen Kundgebungen weiterhin ist.

Die Stadt und die Sicherheitsbehörden stehen damit vor der Aufgabe, das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit zu gewährleisten und gleichzeitig die Sicherheit von Anwohnern, Geschäftsleuten, Passanten und Demonstrationsteilnehmern sicherzustellen. Ein sichtbares Großaufgebot der Polizei soll mögliche Gewalttäter abschrecken, ohne den friedlichen Protest zu behindern. Entscheidend wird sein, ob sich die angekündigte Demonstration tatsächlich auf die politischen Forderungen konzentriert oder ob einzelne Gruppen versuchen, die Veranstaltung für gewaltsame Aktionen zu nutzen.

Noch bevor der erste Demonstrationszug durch die Innenstadt zieht, sind die Auswirkungen damit bereits unübersehbar. Die verbarrikadierten Geschäfte am Neuen Wall sind zum sichtbaren Zeichen der Anspannung geworden. Zwischen dem Recht junger Menschen auf politischen Protest und dem berechtigten Sicherheitsbedürfnis der Händler steht Hamburg vor einem Nachmittag, der nicht nur die Polizei, sondern auch die gesamte Innenstadt beschäftigen dürfte. Ob die umfangreichen Schutzmaßnahmen letztlich notwendig waren oder sich die Befürchtungen als unbegründet erweisen, wird sich erst nach dem Ende der Proteste zeigen.

Quelle: 7aktuell.de | Vincent B.

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